Leo Schrahe

Stimmen aus dem Jugendfolkorchester (4)

1. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

folker präsentiert: Rudolstadt-Festival 2026
]

Zum dritten Mal geht das Jugendfolkorchester (JFO) in diesem Jahr an den Start und bringt mit seinen rund vierzig jungen Musiker:innen deutschen Folk auf die Bühne des Rudolstadt-Festivals. Das Projekt vereint unterschiedlichste musikalische Hintergründe, Erfahrungen und Perspektiven der Teilnehmenden. Wir haben mit vier Mitgliedern des Orchesters gesprochen und sie nach ihren persönlichen Zugängen zur Folkmusik, ihren Einflüssen und ihrer Motivation gefragt, Teil dieses besonderen Ensembles zu sein.
]

Interview: Alex Peters

Wer bist du musikalisch? Aus welcher Region kommst du? Welches Instrument spielst du? Und über welchen Weg bist du zum JFO gekommen?

Mit fünf Jahren habe ich auf der Schildergasse in Köln eine Balkanband gesehen, da hat mich der Groove des Bassisten gepackt und die Liebe zum Kontrabass war geboren. Heute studiere ich das Instrument und versuche, so viele musikalische Eindrücke zu sammeln wie möglich. Ich glaube nämlich: Je mehr unterschiedliche Dinge man kann, desto besser ist man als Musiker. Daher hat auch das JFO mich so interessiert. Obwohl ich zwar mit meiner Familie ab und zu Folk gespielt und auch den ein oder anderen Bal begleitet habe, war es doch nie häufig genug, um wirklich tief in die Materie einzutauchen. Da bot das JFO die perfekte Möglichkeit. Meine Mutter hat mir von dem Projekt erzählt, und ich wollte mitmachen.

Das JFO vereint viele musikalische Hintergründe und regionale Traditionen. Was bringst du selbst an musikalischer Prägung mit – und was hast du im Orchester neu kennengelernt?

Mit Tradmusik hatte ich bis zum JFO relativ wenig am Hut. Kölner Karnevalshits kann man wohl eher nicht dazuzählen. Mit meiner Familie haben wir auch selten deutsche Tunes gespielt. Außerhalb von Folk hat mich die Barockmusik am meisten geprägt. Im JFO war daher fast alles neu für mich. Ich war sehr beeindruckt von der Vielfalt, aber auch das Neukomponieren hat einen Reiz, da diese Art der Verbindung von Neu und Alt nirgendwo sonst stattfindet. Man fühlt sich viel näher an der Musik fühlt, weil man so frei damit umgehen kann.

Im JFO wird viel nach Gehör und ohne Dirigat musiziert. Wie erlebst du diese Art des Zusammenspiels in einem so großen Ensemble? Und was macht sie für dich besonders?

Was sich erst sehr ungewohnt anfühlt, wird doch sehr schnell vertraut. Am Anfang hatte ich noch total Angst vor Verspielen oder Blackouts, aber nach spätestens drei Tagen war ich total daran gewöhnt. Wie alles andere ist auch das einfach nur Übung, und das JFO ist ein gutes Umfeld, um es zu lernen. Das Spielen ohne Dirigat war für mich nicht ganz neu, das kannte ich aus dem Spielen im Barockensemble. Was ich daran so genieße, ist, dass man viel mehr in der Musik ist und in größerem Kontakt zu den Mitspielern steht. Das geht auf Orchesterebene nicht verloren! An vielen Stellen im Programm hatte ich in den letzten Jahren im JFO feste „Zwinker-Rendezvous“ – solche, in denen man eine besonders griffige Bassline hat oder einen fetzigen Einsatz. Da grinst man sich dann wie blöde an und hat einfach Spaß an der Musik.

Ihr verbringt viel Zeit beim JFO miteinander. Was ist bisher dein Lieblings-JFO-Moment?

Neben vielen schönen Abenden, die wir nach den Proben an verschiedensten Orten, wie auch beim Festival selbst im Tanzzelt verbracht haben, ist es, glaube ich, doch der Moment auf der Bühne, als wir letztes Jahr mit dem älteren Ensemble das Menuett-Jig-Set gespielt haben. Das war echt pure Ekstase. An dem Set haben wir sehr lange herumgefeilt, und am Ende war es wirklich perfekt. Das wird noch lange in meiner Erinnerung bleiben.

3
Aufmacher:
Leo Schrahe

Foto: Promo

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung

L